Aberrometrie Wellenfront
Das menschliche Auge ist prinzipiell so aufgebaut, dass es in der Regel zu einem guten Sehvermögen (Optik) führt. Individuelle Unterschiede im Sehvermögen werden, insbesondere bei erweiterten Pupillen, erkennbar, da sich bei dunkler Beleuchtung die Pupille gewöhnlich weitet (vergleichbar mit einer Kamera: kleine/große Blende). Hierbei spielen die Aberrationen eine wichtige Rolle, denn sie führen zu einer Herabsetzung der Sehqualität bedingt durch Lichthöfe um Lichtquellen (Halos) und herabgesetztem Kontrastsehen.
Die Qualität des Sehens hängt aber nicht nur von dem optischen System (Hornhaut und Linse) ab, sondern auch von der Netzhaut. Die menschliche Netzhaut hat eine Qualität, die normalerweise eine Sehschärfe von mehr als 200 Prozent zulassen sollte (bei Raubvögeln ist ein Visus von bis zu 500 Prozent möglich = "Adleraugen"). Dass diese Sehschärfe am menschlichen Auge praktisch nur sehr selten erreicht wird, ist auf die schlechte Qualität des optischen Systems zurückzuführen und nicht auf die Netzhaut. Zumindest teilweise sind also die optischen Aberrationen der Hornhaut dafür verantwortlich, dass ein übernormaler Visus in der Regel nicht erreicht wird. Die Aberrationen des Auges können durch Brille oder Kontaktlinsen nicht korrigiert werden, da das Auge beweglich ist und die Aberrations-Korrektur augenzentriert erfolgen muss.
Von den verschiedenen Möglichkeiten, optische Aberrationen darzustellen, ist die Wellenfront - Darstellung am besten geeignet. Fallen parallele Lichtstrahlen in ein Auge, dann werden sie im idealen, aberrationsfreien Fall in genau einem Punkt fokussiert, der im normalsichtigen Auge in der Netzhaut liegt.
Bei normalen Augen ist dies allerdings fast nie der Fall.
Die Wellenfronten weichen nach Durchtritt durch Hornhaut und Linse von der Idealform ab, und der Bildpunkt ist unscharf und verzogen.
Die Aberrationen des menschlichen Auges führen also zu einer Verschlechterung der Qualität des Netzhautbildes, was, wegen der Verwischung und Verzerrung der einzelnen Bildpunkte, zu einer Verschlechterung des Sehvermögens führen kann. Bereits im 19. Jahrhundert waren die optischen Aberrationen des menschlichen Auges bekannt und wurden unter anderem durch Helmholtz, Tscherning und Gullstrand qualitativ untersucht.
Erst seit etwa zehn Jahren ist es möglich, die Verzerrungen mit so genannten Aberrometern (Wellenfrontanalyser) quantitativ zu vermessen und seit kurzem mit Hilfe des Excimerlasers und der Lasik / Lasek auch zu korrigieren.
Größere Studien an Augen mit normalem Sehvermögen zeigten, dass das Durchschnittsauge eine im technisch-optischen Sinne bei normaler Pupillengröße eine gute Optik aufweist. Bei weiten Pupillen, wie sie zum Beispiel nachts auftreten, spielen aber die Aberrationen eine gewichtigere Rolle, was dazu führt, dass bei vergrößerter Pupille die größten Visusverluste zu verzeichnen sind